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Salzbohrungen- ein Erlebnisbericht


Bildquelle: Thomas Ruf

Wir haben, bis vor 5 Jahren, während 30 Jahren die Waldlichtung Obersulz in Muttenz bewohnt. Diese liegt am Rand des aktuellen Salzabbaugebietes der Rheinsaline. Während wir dort wohnten, haben wir die Erschliessung eines grossen Teils des Abbaugebietes aus nächster Nähe miterleben dürfen – und müssen. Nachstehende Infos sind folglich selbst erlebt und aus erster Hand:


Für den Salzabbau in der Region werden bekanntlich Löcher in die salzführende Schicht gebohrt. Über diese Bohrlöcher wird das Salz ausgewaschen und als Sole über Rohrleitungen in die Schweizerhalle gepumpt. Dort finden die weiteren Produktionsschritte statt.


Die nötigen Bohrplatzvorbereitungen sind zwar nicht sehr umfangreich, benötigen aber dennoch Zeit für den Auf-/Abbau (2 – 3 Wochen) und natürlich entsprechend Platz während des Bohrvorganges. Lärmbelästigung ist zu erwarten wie bei einer „normalen“ Baustelle, in der Regel nur werktags tagsüber, Beeinträchtigung der Umgebung ebenfalls. Auf Google Earth StreetView gibt es gute Aufnahmen der Vorbereitungsarbeiten und des Leitungsbaus, z.B. aus dem Gebiet Zinggibrunngrube/Ewigkeitsstrasse.


Die Installation des Bohrgerätes und der eigentliche Bohrvorgang haben deutlich gröbere negative Auswirkungen. Gebohrt wird in der Regel unterbruchslos im Schichtbetrieb; d.h. das Bohrgerät läuft dauernd, während 7 Tagen die Woche (inkl. Feiertage), bis das Loch fertig gebohrt ist! Die Lärmemissionen sind massiv und beeinträchtigen die Umgebung in erheblichem Ausmass, dies auch abhängig von der Geländeform. Auf der Rütihard gibt es keinen „Lärmschatten“, d.h. der Bohrlärm wird sich auf der ganzen Rütihard praktisch ungehindert verbreiten. Nebst dem sehr lauten, eher tieffrequenten Bohrlärm sind insbesondere auch die offenbar unvermeidlichen Hammerschläge auf Metallteile extrem laut und unangenehm. Wirklich wirksame Lärmschutzinstallationen gibt es bislang keine. Je nach Lage der Bohrlöcher hatten wir damals den Lärm von sehr störend bis effektiv gesundheitsgefährdend (dies zum Glück nur während einiger Monate) erlebt.

Weiter benötigt die Bohrlogistik einiges an Raum – und hat ebenfalls genug an Emissionen.


Die oft genannte Bohrdauer von einigen wenigen (2 – 3) Wochen pro Bohrloch ist aus meiner Erfahrung deutlich zu tief. Diese lag im aktuellen Abbaugebiet eher bei 8 – 10 Wochen pro Loch. Dort liegen die Salzschichten zwar tiefer als unter der Rütihard. Ich würde dennoch von einer mittleren Bohrdauer von 6 Wochen pro Loch ausgehen. Nach unserer Erfahrung wird Loch um Loch gebohrt, d.h. es gibt kaum zeitliche Überlappungen von zwei oder drei Bohrlöchern. Eher gibt es mal eine Pause von einigen wenigen Wochen zwischen zwei Bohrstellen.


Die Rütihard ist durch ihre besondere geo- und topografisch Lage in der Region effektiv ein einzigartiges, naturnah erhaltenes Gebiet. Trotz einiger, teilweise geteerten Feldwege und der, durchaus naturnahen, landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, ist die Rütihard ein besonders wertvoller Flecken Natur. Unzählige Spaziergänger, Hundehalter, Biker, Jogger, Pfadi’s, Familien usw. nutzen und geniessen die Rütihard jeden Tag. Der Zauber der weitgehend unberührten Muttenzer Rütihard dürfte in der Region wohl ebenso sehr zur seelischen Volksgesundheit beitragen wie die vielen psychologischen und seelsorgerischen Angebote, welche unsere Gesundheitskosten in die Höhe treiben.


Sollte unter der Rütihard wirklich Salz abgebaut werden, wird sie während langer Jahre (mindestens ein halbes Jahrzehnt) ihrer Aufgabe als Naherholungsgebiet nicht mehr gerecht werden können. Sie wird vom Salzabbau gefressen und als Industrieleiche wieder ausgespuckt werden.


Die Verlegung der Rohre und die weiteren technischen Installationen werden die Rütihard bis tief in den Boden gnadenlos zerschneiden, der unvermeidliche Baustellenverkehr wird die Oberfläche weit über die eigentlichen Bohrplätze hinaus auf Jahre hinaus verderben. Durch die grosse Anzahl geplanter Bohrlöcher muss davon ausgegangen, dass es kaum einen Flecken Rütihard-Boden geben wird, welcher durch die Bohrerei nicht tangiert wird.


Daher muss aus meiner Sicht unbedingt auf die Erschliessung der Rütihard für den Salzabbau verzichtet werden!


Christian Brunner, Muttenz

April 2018

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