Nein zum Salzabbau - warum?

Ein Salzabbau von bis zu 50 Jahren in diesem Landschaftsschutzgebiet richtet irreparable Schäden auf und unter dem Boden an, beeinträchtigt Flora und Fauna und verschandelt ein einzigartiges stadtnahes Erholungsgebiet. Die geologischen Risiken in einem der aktivsten Erdbebengebiete im deutschsprachigen Raum sind nach Meinung namhafter Geologen ungenügend erforscht: unterirdische Grabenbrüche und Risse, Bodensenkungen (Beispiel Adlertunnel), Grundwasserströme und -einbrüche in Solungskavernen (Salzlösungshöhlen) mit möglicher Trinkwasserverunreinigung, potentielle Schäden an öffentlichen  Gebäuden, Infrastruktur und Wohnliegenschaften. Die Beweislast für aufgetretene Schäden liegt in jedem Fall bei den Betroffenen.

Dürfen und sollen wir diese Risiken den nachfolgenden Generationen vererben?

Geologische Risiken - Einführung

Steinsalz ist ein sehr weiches Gestein, zerklüftet, wasserdurchlässig und verformt sich ausgesprochen leicht. Es ist durch einen Meeresvorstoss aus dem Gebiet der heutigen Nordsee vor 235 Millionen Jahren entstanden und reicht bis in die Schweiz und  nach Ostfrankreich. Die Schichten erreichen maximal 100 Meter Dicke. Dieses Salz hatte schon früh Interesse gefunden, weil es im Binnenland zahlreiche Salzquellen speist und dadurch die Salzgewinnung ermöglichte. Modernere Abbaumethoden machten das Muschelkalksalz noch wichtiger. Es enthält keine Kalisalze und ist oft mit Anhydrit, Ton und Dolomit durchsetzt. Die Schweizer Salinen gewinnen ihr Salz in Schweizerhalle und in Riburg aus diesem Muschelkalk-Steinsalz durch Laugung, d.h. Auflösung mit Wasser. Subrosion ist die natürliche, unter dem Boden stattfindende Laugung von leicht löslichem Gestein durch Sickerwasser oder unterirdische Grundwasserströme. Salzhaltige Gesteine wie unser Steinsalz sind besonders anfällig für eine Subrosion. Aber auch widerstandsfähigere Gesteinsarten wie Kalkstein werden im Laufe der Zeit durch Subrosion abgetragen. Es entstehen unterirdische Karsthöhlen, die zu Bodensenkungen führen können.

Bodensenkungen

Peter Huggenberger, Professor für Geologie an der Universität Basel, nennt als mögliche Ursachen:

  • Natürliche Laugung, also Lösung des tiefliegenden Steinsalzes durch natürliche regionale Zirkulation von Grundwässern

  • Salzgewinnung durch industrielle Laugung von Steinsalz

  • Bohrungen zur Salzgewinnung mit Verbindung von wasserführenden mit salzführenden Schichten

  • Kontakt von Steinsalz mit salzungesättigtem Grundwasser

  • Grundwasserentnahmen, welche die regionalen Grundwasserwegsamkeiten grossräumig verändern                           

 

Neben den durch natürliche Subrosion bedingten Bodensenkungen, wie sie in und um Muttenz festgestellt wurden (Gebiete Margelacker, Lachmatt, Sulz, hinterer Wartenberg, Ättigraben, Schweizerhalle), sind Bodensenkungen durch industriellen Salzabbau und Salzlaugung leider eine Tatsache. Folgende Beispiele sollen dies illustrieren:

Der unter der Lachmatt gelegene Adlertunnel der SBB muss aufgrund von Bodensenkungen regelmässig mit hydraulischen Pressen angehoben werden. Hauptursache ist die natürliche Subrosion, inwieweit die in der Nähe gelegenen Salzbohrungen mitbeteiligt sind, ist Gegenstand von Fachdiskussionen.

 

Sulz/Zinggibrunn: In diesem Gebiet wird aktuell Salz gefördert. Innerhalb von 12 Monaten (2017/18) hat sich der Boden um bis  zu 4,5cm gesenkt, frühere Messungen zeigten Absenkungen von 11 bis 15 mm.

Die bekannten Absenkungsgebiete im Raum Pratteln und Muttenz

Rheinfelden/Möhlin: 1986 senkte sich der Boden zwischen Rheinfelden und Möhlin auf einer Fläche von 7,2 ha. Nachweisbare Ursache war der Salzabbau in diesem Gebiet.

Zurzach: Hier stellte die Firma Solvay SA 1995 die Salzförderung wegen gravierenden Bodensenkungen mit massiven Bauschäden an Häusern ein und mussten Schadenersatz in unbekannter Höhe leisten.

Trinkwassergefährdung

Ursachen sind oben erwähnt. Beispiel:

1980 stellte die Stadt Rheinfelden im Grundwasser eine hohe Chloridbelastung fest. In der Folge mussten drei Grundwasserpumpwerke stillgelegt werden. Färbversuche von Wasser nach der Bodenabsenkung zwischen Rheinfelden und Möhlin konnten in der Folge aufzeigen, dass auch das noch bestehende Grundwasserpumpwerk im Einströmbereich der im Abbau befindlichen Salzvorkommen lag. Ein neuer Standort für ein Grundwasserpumpwerk musste gesucht werden. Das Investionsvolumen betrug für die Gemeinde 11.4 Mio. Fr.

Erst nach langwierigen Verhandlungen überwiesen die Schweizer Salinen AG der Stadt Rheinfelden eine Entschädigung von acht Millionen Franken.

https://www.nfz.ch/2018/12/als-der-boden-einst%C3%BCrzte.html

 

Die Grundwasserzirkulation im Gebiet Margelacker mit Bodensenkungen von 5 bis 10 mm pro Jahr ist relativ komplex. Die Frage, wie die Absenkungen im Dorf mit den Wasserflüssen, die vom Abhang der Rütihard her kommen, zusammenhängen, ist nicht beantwortet.

Die Basler Industrie misst bei ihren Grundwasserentnahmen in grösseren Tiefen teilweise erhöhte Salzkonzentrationen, die auf die Lösung von Steinsalz hinweisen.

Übrigens:

Erdsondenbohrungen zur Wärmeentnahme sind in der Umgebung der Rütihard verboten. Begründung: Grundwasserschutz!

Stabilität der Laugungskavernen

Nach dem Abschluss der Salzgewinnung bleiben mit Salzschlämmen und Stickstoff gefüllte Laugungskavernen von bis zu 80 m Durchmesser zurück. Die Stabilitätsberechnungen sind meistens für eine horizontale Salzlagerung und ein Gebiet ohne geologische Störungen erstellt worden. Sogenannte Steinsalzpfeiler zwischen den Kavernen sollen die Stabilität zusätzlich gewährleisten. Im Gebiet Muttenz/Pratteln liegen aber viele Horst- und Grabenstrukturen vor. Zudem haben die Schweizer Salinen AG bei Sondierbohrungen in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts am NW-Rand der Rütihard solche Graben- und Rissstrukturen festgestellt. Die Frage nach der Stabilität der gelaugten Salzkavernen ist berechtigt.

Oekologische Schäden

Bei einem Salzabbau unter der Rütihard kommen Emissionen durch Schwerverkehr, Bohrlärm, Dauervibrationen und Dieselabgase während bis zu 24 Stunden an 7 Tagen pro Woche im Verlauf von 50 Jahren auf uns zu. Bodenverdichtungen und Rohrleitungsbau über mehrere Kilometer beeinträchtigen die Fruchtbarkeit der Rütihard.

Am 13. Juli 2017 kam es im Gebiet Sulz aus einem stillgelegten Bohrloch zu einem 25-30m hohen, fontäneartigen Soleaustritt. Schätzungsweise über 500’000 Liter Salzwasser ergossen sich über das Land und richteten in der Umgebung Schäden an der Bepflanzung, Boden sowie Flora und Fauna entlang und im Muttenzer Dorfbach an. Die genaue Ursache des Salzwasseraustritts geht auch aus dem abschliessenden Bericht der Firma Geotest zu Handen der Schweizer Salinen und der Staatsanwaltschaft nicht hervor.

Schäden an Gebäuden und Infrastruktur

In Muttenz grenzen Infrastrukturbauten und hunderte von Wohneinheiten direkt an das geplante Salzabbaugebiet unter der Rütihard. Mögliche Schäden durch den Salzabbau und danach sind nicht ausgeschlossen. Obwohl die Schweizer Salinen AG und letztlich die Bürgergemeinde Muttenz als Landbesitzerin für allfällige Schäden an Landschaft, Boden, Grundwasser, Infrastruktur und Gebäuden aufkommen müssen, liegt die Beweislast für die Schäden bei den Betroffenen. Das heisst, die Geschädigten müssen einen Schaden gegenüber den Schweizer Salinen AG beweisen, was erfahrungsgemäss schwierig ist und über Jahre andauernde und kostspielige Prozesse zur Folge haben kann.

“Ich würde niemandem dazu raten, auf Randgebieten eines Salzstockes zu bauen oder ein Haus zu kaufen” (Dr. Christian Lamschus, Direktor Salzmuseum Lüneburg, wo seit Jahrhunderten Salz abgebaut wird).                                                    

 IG «Rettet die Rütihard»

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